Wie gut verkrafte ich als Bürostuhlakrobat 4 Tage Wandern mit 10 Kilo Gepäck auf dem Rücken und bei einer Gesamtstrecke von gut 80 Kilometern? Diese Frage stellte ich mir im Vorfeld meiner Mehrtageshimmelfahrtstour nicht nur einmal. Erstaunlicherweise verdammt gut. Auch wenn es während der Tour ab und zu anders aussah und ich die ein oder andere Grenzerfahrung sammelte.

Meine erste Mehrtageswanderung – die Tour

Sachsens Dach war das ausgemachte Ziel. Dazu der zweithöchste Punkt Sachsens, ein Abstecher ins tschechische Nachbarland und viele Naturschutzgebiete und Aussichtstürme sollten es sein. Kurzum, jede Menge Highlights komprimiert auf 4 Tage und die Herausforderung, diese mit 10 Kilo Marschgepäck zu absolvieren. Mit dabei drei meiner besten Freunde, darunter Alex, der hier im Blog auch schon den ein oder anderen Artikel schrieb.

Die Ausrüstung

Was nehme ich mit, was lasse ich daheim? Und was hab ich eigentlich da alles eingepackt und doch nicht gebraucht. Schauen wir mal nach. Mein Gepäck habe ich in einem 50l Rucksack verstaut. Auf meiner Packliste stand folgendes:

  • Wandersocken und Unterwäsche für 3 Tage
  • 2 T-Shirts und ein Hemd
  • 1 Pullover (wenns mal bissel kälter wird)
  • 1 Hoodie (nie gebraucht)
  • 1 Regenjacke (nie gebraucht, trotzdem unverzichtbar)
  • 1 lange Hose (sicher ist sicher)
  • 1 Paar Badelatschen (leichte Hausschuhe hätten es auch getan)
  • Badetasche mit kleinen Duschgel, Zahnpasta, Deo etc.
  • Sonnencreme, Sonnenbrille, Tape (vergessen und z.T. geliehen, nehm ich beim nächsten Mal selbst mit)
  • 2 Liter Wasser (1 Liter hätte genügt. Auffüllmöglichkeiten gab es in jeder Unterkunft)
  • 8 Müsliriegel, 2 Äpfel, 2x Studentenfutter
  • 1 Flachmann zum Wärmen 😉
  • 1 Feuerzeug (nie gebraucht)
  • 1 Taschenmesser (nie gebraucht)
  • Wanderkarte
  • 1 Systemkamera
  • 1 Ladekabel
  • 1 Tablet zum Bloggen (leider nie gebraucht)
  • 1 Kamerastativ (immerhin einmal gebraucht)

Losgewandert bin ich mit einer Zipperhose, Wanderschuhen, Fleecejacke, Hemd und Wandersocken. Sollten nicht so viele Einkehrmöglichkeiten auf dem Weg liegen, sollte man eventuell etwas mehr Verpflegung einpacken. Auf der Waage standen in jedem Falle 10.5 Kilo und die waren beim ersten Aufsatteln schon ne Wucht. Ist der Rucksack aber gut eingestellt trägt die Hüfte die größte Last und die Schultern sind relativ lastbefreit.

Nun denn, los geht’s.

Tag 1 – 20 Kilometer Grenzerfahrung

Grenzwertig war zum einen die Anreise. Busfahren ist ja eigentlich was schönes. Man muss nicht selbst fahren und ist erholt am gewünschten Ziel. Nicht ganz so verhält es sich, wenn man an Himmelfahrt von Chemnitz nach Oberwiesenthal will. Dann ist die Fahrt einigermaßen anstrengend. Zum einen ist der Bus voll. Richtig voll. Um genau zu sein zum Brechen voll. Es bleibt kaum Platz zum Stehen. Die erste Stunde gestaltet sich dank des Alkoholpegels einiger Mitfahrer schwierig und anstrengend. An den Greifensteinen und in Annaberg-Buchholz leerte sich der Bus zusehends. Nach 2.5 Stunden Fahrtzeit sind wir mit einer halben Stunde Verspätung am Bahnhof Oberwiesenthal angelangt.

Fichtelbergbaude auf dem Fichtelberg
Fichtelbergbaude auf dem Fichtelberg

Hier gehts nun endlich los mit Wandern. Um genau zu sein für 500m. Der Rostbratwurststand und der Geruch von Frischgegrilltem und Senf ist einfach zu verlockend. Wir stoppen und verspeisen eine Bratwurst. Die richtige Stärkung für den nun folgenden Aufstieg auf den Fichtelberg. Vorbei an der Fichtelbergschanze geht es den Philosophenweg hinauf auf Sachsens höchsten Punkt in 1215m Höhe. Bereits von weitem hören wir eine Band, die oben auf dem Gipfelplateau einheizt. Erstaunlich viele Motorräder stehen hier rum. Scheint so, als sei der Berg einigermaßen beliebt bei Bikern. Wir begeben uns in den Biergarten vor der Fichtelbergbaude und sind überrascht, dass die Band ein Solokünstler ist, der hier oben ganz ganz allein für die Stimmung verantwortlich ist. Nach einem wohlverdienten Gipfel(schwarz)bier geht die Tour nach Tschechien. Wir verlassen den Fichtelberg in westlicher Richtung und sehen kurz vor dem Abstieg den weit entfernten Auersberg mit seiner markanten Radarstation. Da hin wollen wir bis morgen? Kann das sein? Habe ich mich in der Tour verplant? Der ist verdammt weit weg.

Nach einigen Kilometern kommen wir in Gottesgab/Bozi Dar an. Das kleine Örtchen durchstreifen wir, grüßen kurz Aues und Chemnitz‘ ehemaligen Trainer Gerd Schädlich, der uns entgegenkommt und durchqueren das Gottesgaber Hochmoor auf einem Holzbohlenpfad. Entlang der Strecke sind zahlreiche Infotafeln zur Vegetation des Moores.

Im Gottesgaber Hochmoor
Im Gottesgaber Hochmoor
Plattner Kunstgraben
Plattner Kunstgraben

An das Hochmoor schließt der Plattner Kunstgraben an. Entlang des Hauptgrabens laufen wir auf einem federnden Boden über Wurzeln, kleine Holzbohlen, schmale Brücken und engen Pfaden. Der Weg verläuft mal im Wald, mal auf offener Flur. Neben uns die ganze Zeit plätscherndes Wasser des Kunstgrabens, der hier das Wasser vieler kleiner Bäche, Rinnsale und künstlich angelegter Graben sammelt. Das Wasser leitete man seit dem 16. Jahrhundert in die Bergwerke im Bergrevier Platten, um den Wasserbedarf der Zinnbergwerke, -seifen und Pochwerke zu decken.

Nach einigen Kilometern quert der Kunstgraben die Verbindungsstraße von Bozi Dar nach Horni Blatna. Wir entscheiden uns fortan dieser Straße zu folgen und den großen Bogen um den Plattenberg zu meiden. Der Verkehr entlang der sanierungsbedürftigen Straße ist überschaubar. Ebenso die Gäste in einem kleinen Gasthaus mit Biergarten mitten im Nirgendwo. Aber wie heißt es so schön: Nutze jede Einkehr, du weist nicht, wann die nächste kommt. Und überhaupt ist die Kehle richtig trocken geworden und sehnt sich nach einem Schluck erfrischenden Pils‘ böhmischer Brauart.

Nach dem langen, kräftezehrenden Aufstieg bei immer müder werdenden Füßen erblicken wir das kleine Horni Blatna mit seiner markanten Kirche im Tal und einem einsam liegenden Haus, am gegenüberliegenden Hang.

Altes Haus in Horni Blatna
Altes Haus in Horni Blatna

Nur gut, dass dieses nicht unser Ziel ist. Das Hotel Ochsendorf liegt zwar auch am anderen Ende des Ortes, allerdings im Talkessel. Die Semmeringbahn fährt vor der Tür des Hotels entlang. Einen historischen Wagen der historischen Bahnstrecke zwischen Johanngeorgenstadt nach Karlsbad haben wir leider vom Restaurant des Hotels aus nicht gesehen. Das Hotel selbst ist gut ausgestattet, sauber und bietet gute Speisen. Das Frühstück ist reichhaltig, das Preisniveau angenehm. Die Stimmung an diesem Abend war grandios. Der an diesem Abend aufspielende 80jährige Alleinunterhalter aus Annaberg bedankt sich am Ende sogar persönlich bei uns, dafür dass wir so gut mitgefeiert haben. Ob es an der Musik oder dem Schnaps lag ist noch nicht vollends geklärt.

In jedem Falle haben wir alle gut geschlafen. Der Schlaf ist auch nötig, denn morgen wartet die Königsetappe unserer Tour auf uns.

Matthias

Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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