Das Prinzip ist einfach und wurde schon von Aristoteles vor über 2300 Jahren entdeckt und angewandt. Im Laufe vieler Jahrhunderte wurde das Prinzip der Camera Obscura vielfach verbessert und von zahlreichen Prominenten genutzt. Durch ihre stete Weiterentwicklung trug sie zum Siegeszug der Fotografie bei. Eine Apparatur befindet sich im mittelsächsischen Hainichen.

Das Grundprinzip der Camera Obscura

Linse der Camera Obscura in Hainichen
Linse der Camera Obscura in Hainichen

Man nehme einen vollkommen abgedunkelten Raum, ein kleines Loch, eine plane Ebene und das Schauspiel kann beginnen. Fällt Licht durch dieses kleine Loch in den ansonsten lichtdichten Raum, so wird in diesen ein spiegelverkehrtes und auf dem Kopf stehendes Bild, eine Projektion des Außenraumes erzeugt. Dieses Prinzip machte sich als erstes Aristoteles ca. 350 Jahre vor Christi Geburt zu Nutze. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das System verbessert und unter anderem dafür genutzt Sonnenflecken und Sonnenfinsternisse zu beobachten. Leonardo da Vinci erkannte dann, dass das Prinzip der Lochkamera mit dem des Auges gleichzusetzen ist. Verbessert wurde die Technik und das Bild der Camera Obscura durch den Einsatz geschliffener Linsen. Johannes Kepler nutze für seine Beobachtungen ebenfalls eine Camera Obscura.

Der Erfindung einer transportablen Camera obscura durch Johann Zahns 1686 ist es zu verdanken, dass über einen Spiegel, im Inneren der Kamera das projizierte Bild einfach und bequem abgezeichnet werden konnte. Der berühmte Maler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto nutzte eine Camera Obscura für seine Zeichnungen ebenso wie der Niederländer Jan Vermeer, der äußerst detailreiche Bilder schuf.

Die Entwicklung der Fotografie

Das Prinzip der Camera Obscura bzw. der Lochkamera war Wegbereiter für die Fotografie. Mittels der Belichtung chemischer Platten konnte seit 1826 das Abbild langfristig gespeichert werden. Anfänglich war der Bilderstellungsprozess gefährlich und ungesund. Mit Hilfe von Quecksilber-Dämpfen und anschließender Fixierung in einer heißen Kochsalzlösung oder einer  Natriumthiosulfatlösung wurde das Foto hergestellt. Die rasante Entwicklung der Fotografie im 19. und 20. Jahrhundert verzichtete dann recht schnell auf den Einsatz giftiger Dämpfe. Das Prinzip der Belichtung eines Films nach vorangegangenem Eindringen des Lichts durch ein kleines „Loch“ in einen dunklen Raum ist aber gleich geblieben.

Live und in Farbe – Die Camera Obscura Hainichen

Modell der alten Camera Obscura in Hainichen
Modell der alten Camera Obscura in Hainichen

Von der Funktionsweise der Camera Obscura macht man sich natürlich am besten live und in Farbe ein (Bewegt)-Bild. Als eine von nur noch wenig existierenden Camera Obscurae Deutschlands befindet sich eine im mittelsächsischen Hainichen. Diese befindet sich seit 1985 auf der Kuppel eines 11m hohen steinernen Turms. Dieser ersetzte einen 5m hohen sechseckigen Ziegelbau. Errichtet wurde die Camera Obscura auf dem Rahmenberg in Hainichen schon im Jahre 1883 in einem kleinen Holzhäuschen.

Der Turm der Camera Obscura Hainichen
Der Turm der Camera Obscura Hainichen

Bei einer kurzen Führung bekommt man in den einzelnen Etagen des Turms die Funktionsweise der Camera Obscura im Allgemeinen und der Geschichte der Camera Obscura Hainichens im Speziellen erklärt. Oben angekommen wird der Raum dann völlig abgedunkelt bis dann auf einem runden Präsentationsteller ein Livebild Hainichens aus dem Nichts auftaucht. Dies geschieht über den um 360 Grad drehbaren Kasten in der Turmspitze. In diesem befindet sich ein Planspiegel, dessen Neigungswinkel verstellbar ist.

Es ist schon faszinierend, wie gänzlich ohne Strom und moderne Technik ein derart realistisches, scharfes Bild der Stadt projeziert wird. Auch für Kinder ist ein Besuch interessant und unterhaltsam. Kann man doch Fahrradfahrer, Autofahrer und Fußgänger auf ihren Wegen durch die Stadt beobachten und dabei als kleine Showeinlage über Hügel laufen lassen.

Öffnungszeiten der Camera Obscura in Hainichen

An den Aprilwochenenden ist die Camera Obscura Hainichen samstags und sonntags in der Zeit von 11.00 – 16.00 Uhr geöffnet. Ab Mai steht die camera obscura dann wieder täglich von 11.00 – 16.00 Uhr für einen Besuch zur Verfügung. Das Technische Denkmal kann aus technischen Gründen bei schlechtem Wetter, wie Regen oder Schnee nicht geöffnet werden. Es empfiehlt sich den Wetterbericht zu verfolgen, nicht dass man umsonst anreist.

Weitere Camera Obscurae in Deutschland

Panorama von der Camera Obscura in Hainichen-3
Panorama von der Camera Obscura in Hainichen-3

Doch nicht nur in Hainichen gibt es eine begehbare Camera Obscura. Neben einigen technischen Modellen und Exemplaren wie zum Beispiel in den Technische Sammlungen der Stadt Dresden, oder im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main gibt es in Deutschland noch zwei weitere funktionstüchtige, begehbare Camera Obscurae. Eine befindet sich in Mühlheim an der Ruhr und die dritte befindet sich ebenfalls in Sachsen. Wer den Oybin im Zittauer Gebirge mit der Burg- und Klosterruine besichtigt, hat auch hier die Möglichkeit eine Camera Obscura zu begehen. Somit befinden sich zwei der drei noch begehbaren, großen Camera Obscurae in Sachsen.

Fazit – Überraschend schöne Camera mit Livebild in Farbe

Nach mehr als zehn Jahren in denen ich die mittelsächsischen Kleinstadt immer wieder mal besuche und ab und an meine Wochenenden verbringe, habe ich der Camera Obscura nun endlich einen Besuch abgestattet. Viel zu spät. Ich hätte schon eher und eigentlich immer mal wieder hingehen müssen. Für mich als passionierten Hobbyfotografen ist man hier ganz nah an der Geschichte der Fototechnik dran und bekommt einen interessanten Einblick in die jahrhundertealte Technik. Für Familien, Technikinteressierte und Neugierige ist die Camera Obscura in Hainichen ein lohnenswerter Besuch. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, der kann in Hainichen auf dem Entdeckerpfad die Stadt erkunden.

Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

2 Kommentare

  1. Hallo Matthias,

    Wir sind 10 Pensionäre und würden die Camera Obscura gern am 3., 4. oder 5. April besichtigen. Sehen Sie dafür eine Möglichkeit?
    Über eine kurzfristige Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Mit freundlichen Grüßen

    Gisela Tanz
    Vielen Dank im voraus!

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