Es sind die kleinen Abenteuer, die mich glücklich machen und die mir im Gedächtnis bleiben. Eines davon war Anfang September meine erste Open-Air-Übernachtung seit langem.Um genauer zu sein, seit 2012 auf Teneriffa, als ich eine Nacht draußen auf der Sonnenliege meiner Ferienwohnung verbrachte. Nun also war es mal wieder so weit. Ganz im Stile der Outdoor-Zeitschrift Walden schuf ich mir mit meinen Arbeitskollegen ein Mikroabenteuer. Gewählt haben wir uns einen Freitag-Abend. Man kann ja nie wissen, wie gut wir die Nacht verkraften und ob sich am nächsten Tag noch ohne weiteres arbeiten ließe.

Mit einem kleinen Imbiss, hopfenhaltigen Getränken, einer Isomatte und einem Schlafsack im Gepäck ging es vom Wanderparkplatz am Papststein hoch hinauf auf den Gohrisch. Und diese 600m Weg sollten als körperliche Anstrengung für den Abend schon genügen. Jetzt galt es nur noch einen geeigneten Schlafplatz für die Nacht zu finden. Die Wahl fiel auf ein kleines Felsplateau im Westen des Felses mit Blick auf den Pfaffenstein, Lilienstein, die Festung Königstein und Dresden im Fernen.

Von den Regeln des Freiübernachten und Boofen

Unser Nachtlager auf dem Gohrisch
Unser Nachtlager auf dem Gohrisch

Übernachtungen ohne Zelt werden in der Sächsischen Schweiz grundsätzlich gestattet. Im Nationalpark allerdings nur an den dafür festgelegten Boofen in der Nähe von Kletterfelsen. Im Rest des Nationalparks ist das freie Übernachten verboten. Ebenso im Naturschutzgebiet des Pfaffenstein. Dennoch gelten Regeln für das Übernachten. Die Natur sollte so wie vorgefunden oder besser (fremden Müll mitnehmen) verlassen werden und auch ist es verboten, Feuer zu entzünden. Campingkocher und Kerzenlicht werden bei sorgfältigem Umgang akzeptiert, sollte einer der Ranger vorbeikommen. Auf ein Feuer sollte man es nicht anlegen. Diese sind des Nachts weithin sichtbar und von den Nationalparkwärtern und Förstern gut zu sehen.

Dass sich nicht alle an diese Regeln halten, sieht man an den jährlich stattfindenden Waldbränden und den Unmengen Müll, die jährlich aus dem Nationalpark herausgesammelt werden und die leider allerorten sichtbar sind.

Abendstimmung auf dem Gohrisch
Abendstimmung auf dem Gohrisch

Dennoch lassen wir uns die Lust am Freiübernachten nicht nehmen und genießen vor allem drei Dinge an diesem Abend:

  1. Das fantastische Wetter einer trockenen Nacht
  2. Der sternenklare Nachthimmel um uns herum
  3. Die Ruhe der Natur inmitten der Sächsischen Schweiz

Von verhaltensauffälligen Tieren

Blick vom Gohrisch
Blick vom Gohrisch

Wir genießen den Blick auf die umliegenden Felsen, die einsetzende Abenddämmerung und beobachten den lautlos vorbeigleitenden Uhu am Abend und den umherziehenden Turmfalken am frühen Morgen. Eine verirrte Kröte durchstreift im Dunkel unser Nachtlager. Von verhaltensauffälligen Füchsen, die der Sandsteinblogger Hartmut letztes Jahr beobachtete,  oder anderen Großtieren ist an diesem Abend nichts zu sehen. Das einzig vehaltensauffällige Tier ist eine ausdauernd muhende Kuh im Tal, die ihr offenbares Leid bis spät in die Nacht hinein allen im Umkreis Anwesenden kund tut.

Stattdessen beobachten wir die langsam einsetzende Dämmerung und den grandios funkelnden Nachthimmel. Je weiter der Abend fortschreitet, desto mehr Sterne funkeln am Firmament. Auch wenn uns der Blick gen Nordwesten doch anfangs noch viel vom Sternenhimmel raubt. Die Lichtverschmutzung der Landeshauptstadt ist so stark, dass die unteren 30 Grad des Himmels im Westen vom Licht der Häuser und Straßen überstrahlt werden. Erst gegen Mitternacht legt sich die Helligkeit am Horizont.

Vom funkelnden Firmament

Und da tauchen sie auf: Die Sternbilder des Sommersternenhimmels, der Schleier der Milchstraße und die Planeten unseres Sonnensystems Mars, Saturn und Venus. Und wenn wir ganz aufmerksam nach oben blicken und den richtigen Fleck am Himmel beobachten, erblicken wir hier und da eine Sternschnuppe. Ansonsten umhüllt uns der Schleier der Dunkelheit. Die Bäume um uns herum sind nur noch als Schattierungen unterschiedlichen Schwarz und Grau’s zu deuten. Mit ihren Formen und Schattierungen wirken sie bei längerem Betrachten wir riesige Fabelwesen.  Die Berge des Umlands lassen sich nur noch dank der Beleuchtung der kleinen Dörfer um sie herum erahnen.

Vom (Nicht-)Schlafen auf dem Gohrisch

Einzig der Riese Dresden vermag uns noch etwas Licht zu spenden. Die Gesprächsthemen unserer Männerrunde nehmen gegen 1 Uhr ab, unsere Lider werden schwach und wir betten uns, so gut es eben geht auf dem steinharten Untergrund. An Schlaf ist leider nicht durchgehend zu denken. Mal drückt in Seitlage die Schulter, mal fühlt sich der Rücken schmerzend an. Und so wache ich immer mal wieder auf. Doch der majestätische Sternenhimmel über mir entschädigt im Nu für das unbequeme Liegen.

So liege ich nachts um 3 wach auf dem Rücken und sehe nach oben und sehe nichts als goldgelb glitzernde Punkte in der riesengroßen Dunkelheit. Versuchend im Dunkel der Nacht die Sternenbilder des vergangenen Abends wiederzuerkennen, suche ich nach Orientierung am Nachthimmel. Doch es mag mir nicht gelingen. Zu weit sind die Sternbilder gewandert oder unter dem Horizont verschwunden. Einzig der Schleier der Milchstraße mag mir noch etwas Orientierung in meinem halbwachen Zustand zu geben.

Nachthimmel auf dem Gohrisch
Nachthimmel auf dem Gohrisch

Wenig später bekommen wir einen beständigen Wind als Begleiter für den Rest der Nacht. Nicht sehr kalt, aber doch ausdauernd beständig pfeift er nun über den Gohrisch hinweg und lässt uns unsere Schlafsäcke weit über unsere Köpfe ziehen. Die Bäume um uns herum wiegen hin und her und scheinen mich zu hypnotisieren. Ich falle alsbald wieder in einen Dämmerzustand. Dieser sollte wenig später auch von Mutter Natur ausgehend einsetzen. Gegen 6 Uhr früh wird es heller. Wir erwachen im Rhythmus der Natur und stehen 6:15 Uhr auf. Zurück bleibt ein leicht schmerzender Rücken und die Erfahrung eines einmaligen Erlebnisses.

Vom einmaligen Erlebnis Freiübernachtung

Zwar fand ich in der Nacht wenig Schlaf, aber vielleicht waren die Eindrücke gerade deshalb prägend. Die Ruhe der Natur, die nur ab und an von einer Kuh und dem ein oder anderen im Tal entlang fahrenden Auto unterbrochen wurde. Der grandiose Sternenhimmel bis spät in die Nacht hinein und die aufkommende Windbrise, die um mein Gesicht striff, sind mir noch heute präsent, als ob es gestern gewesen ist. Es braucht nicht viel, um etwas Einzigartiges zu erleben. Es genügt kurzzeitig die Komfortzone zu verlassen und mal etwas komplett anderes zu probieren.

Für mich steht fest, dass dies nicht die letzte Nacht unter freiem Himmel für mich war. Auch wenn ich mir Gedanken um meine Isomatte machen muss, um mich ein wenig besser auf hartem Fels betten zu können, werde ich wiederkommen. Zu prägend sind die Eindrücke einer einzigen Nacht, um sie nicht bald wieder aufleben zu lassen.

Zum Schluss ein kleines Suchbild

Ganz allein waren wir am Abend auf dem Gohrisch übrigens nicht. Stimmen in der Ferne konnten wir alsbald orten. Und siehe da, die beiden Stimmen gehörten einem Fotografen und einer Frau, die sich in der Abenddämmerung räkelnd dem Fotografen präsentierte. Das visierte Auge wird im Suchbild unten sicherlich entdecken, wo.

Sonnenuntergang auf dem Gohrisch
Suchbild auf dem Gohrisch
Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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