Meine Pilgerreise durch die Oberlausitz. Tag 3: Vom Löbauer Berg auf den Rotstein.

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Inhaltsverzeichnis

Der Ortskundige Wandersmann wird sich jetzt folgendes fragen: Eine Tagestour vom Löbauer Berg auf den Rotstein? Das sind doch nur 7 Kilometer. Wenn überhaupt.

Richtig. Wenn man direkt geht. Doch ich habe einen kleinen Abstecher gemacht.

Morgenstund‘ auf dem Löbauer Berg

Nach meinem tiefen, festen Schlaf hier oben im Honigbrunnen auf dem Löbauer Berg geht es frisch gestärkt vom leckeren Frühstück auf meinen zweiten Pilgertag. Einen Tag, den ich am Ende wieder hasslieben werde. Stammleser wissen warum.

Doch der Reihe nach. Die Tour starte ich am Vormittag bei bereits sehr schwülwarmen 23 Grad im Schatten. Wie sich herausstellt wird heute einer der wärmsten Tage des Jahres. Und wie ich es in Erinnerung habe der letzte Sommertag in 2020.

Gusseiserner Turm auf dem Löbauer Berg
Gusseiserner Turm auf dem Löbauer Berg

Für den Gusseisernen Turm hoch oben auf dem Löbauer Berg ist es mir zu warm. Und weil ich schon zweimal die eisernen Stufen hochgegangen bin, lasse ich die größte Sehenswürdigkeit des Berges aus und begebe mich stattdessen auf Schatzsuche.

Der Geldkeller auf dem Löbauer Berg
Der Geldkeller auf dem Löbauer Berg

Mein erstes Ziel ist der Geldkellerweg. Dieser führt, wenig überraschend, zum Geldkeller. Doch trotz intensiver Suche finde ich nichts. Hätte ich das eher gewusst, hätte ich meine Tour auf den Johannistag, die Mitternachtszeit zu Weihnachten oder auf einen Karfreitag gelegt. Dann, so will es die Sage, öffnet sich der Keller mit seinen verborgenen Schätzen.

Leicht enttäuscht verschnaufe ich für eine gute halbe Stunde auf der Bank, blicke in die Wipfel der Laubbäume über mir und lausche den vereinzelten Rufen der Kleiber und Buntspechte. Zwei der wenigen noch musizierenden Vogelarten Ende August.

Im Wald des Löbauer Bergs
Im Wald des Löbauer Bergs

Den höchsten Punkt meiner heutigen Tour verlasse ich nun über den Geldkellerweg, Grenzweg und Rinnelbrunnenweg in Richtung Wendisch-Paulsdorf. Ich verlasse den Wald am Löbauer Berg, überquere eine Landstraße und finde mich auf einmal in der Toskana wieder. Zumindest kurz, wenn man sich dieses Motiv anschaut.

Ein bisschen Toskana in der Oberlausitz
Ein bisschen Toskana in der Oberlausitz

Vom Löbauer Berg zur Georgewitzer Skala

Ich erreiche das kleine Dörfchen Wendisch-Paulsdorf und treffe eine folgenschwere Entscheidung für den heutigen Tag. An der Hauptstraße des Dorfes zweigt ein Weg leicht rechts ab. Der Weg nach Wendisch-Cunnersdorf. Schlappe zwei Kilometer sind es bis dahin. Wäre ich hier rechts abgebogen, hätte ich einen herrlichen Tag auf dem Rotstein verbracht. Mein Etappenziel mit der gebuchten Unterkunft auf dem Gipfel des Bergmassivs hätte ich in ca. einer Stunde erreicht.

Doch aus irgendeinem entdeckungsfreudigen Grund wollte ich heute noch die Georgewitzer Skala sehen.

Georgewitz

Also mache ich mich auf den Weg dorthin. Auf den Asphaltweg. Da keine andere Möglichkeit besteht, muss ich die Landstraße entlang, die B6 querend, in Richtung Georgewitz gehen. Die Hitze wird immer größer. Das permanente Wandern auf immer heißer werdenden Asphalt macht es nicht besser. Gut, dass ich bald in der nächsten Ortschaft bin. Noch besser, dass es moderne Hilfsmittel gibt, die einem den Weg zum nächsten Imbiss, Getränkemarkt oder Supermarkt weisen. Am besten, dass es in Georgewitz einen Getränkemarkt gibt.

Also lasse ich das Naturschutzgebiet ersteinmal rechts liegen und gehe über die Fußgängerbrücke des Löbauer Wassers links nach Georgewitz. Hopfenblüten an der Brücke erhöhen meine Vorfreude auf Gekühltes.

Ich lande im Innenhof eines alten Gehöfts. Ich dachte ich bin in einer Sackgasse. Doch dann erblicke ich am halb verfallenen Gutshaus ein Wanderschild. Ich kann das Dorf doch passieren und lande in einer vergessenen Welt. Alte, verwahrloste Häuser säumen meinen Weg. Vereinzelt moderne, restauriertes Fachwerk. Zumindest leben hier Menschen. Auch wenn ich keine sehe.

Doch den Getränkemarkt suche ich vergebens. Im Dreiseitenhof ist bestimmt seit 20 Jahren kein Getränkemarkt mehr. Genauso wenig wie eine Computerschule.

Georgewitz
Georgewitz

Meinem Verlangen nach einem gekühlten Getränk ist dies nicht zuträglich. Mit anderen Worten „Ich flippe aus“. Blödes Google. Den Weg hätte ich mir sparen können. Doch halt. Hier ist ein Hofladen ausgeschildert. Also schnell in Richtung Mühlenhof. Dort wird es schon was geben. Selbstgemachte Limonade, dazu ein frischer Knacker, etwas selbst geerntetes Obst. Das wird ein Fest.

Im Zentrum von Georgewitz
Im Zentrum von Georgewitz

Aber auch hier: Leider keine Menschenseele zu sehen. Keiner, der mein Türklingeln und Klopfen hört. Der nächste Rückschlag an diesem immer heißer werdenden Pilgertag. Meine Gedanken drehen sich nur ums Trinken. Obwohl ich genügend Wasser mithabe, ist ein sprudeliges, kühles Getränk mein Pilgerziel Nummer Eins. Tja. Satz mit X.

Also geh ich wieder zurück, verlasse Georgewitz durch den ruinösen Bauernhof und tauche in die Georgewitzer Skala ein.

In der Georgewitzer Skala

In der Georgewitzer Skala
In der Georgewitzer Skala

Das schluchtenartige Felsental, welches das Löbauer Wasser durchfliest, ist bereits seit 1961 Naturschutzgebiet. Hier haben Eisvogel und Kleinspecht eine Heimat gefunden. Und auch in der Fauna gibt es seltenes Dunkles Lungenkraut und Goldnessel zu entdecken.

Das Löbauer Wasser
Das Löbauer Wasser

Ich atme durch. Im Stieleichen-Hainbuchenwald ist es einige Grad kühler als draußen. Das Wasser plätschert und ich sehne den Moment herbei, wenn der Wanderweg ans Wasser führt. An wenigen Stellen kommt man an das Wasser heran, ohne die Wege zu verlassen. Kleine Pfade führen ans Ufer. Ich tauche meine Bandana ein, fülle meine Trinkflasche und kühle mich ab. Endlich habe ich wieder einen kühlen Kopf.

Auf Öff-Öff’s Spuren – An der Gemauerten Mühle

Mein heutiges Zwischenziel habe ich mir auch schon ausgeschaut. Die Gemauerte Mühle am anderen Flussufer, in der 1813 ein gewisser Marschall Gebhard Leberecht von Blücher genächtigt haben soll und auf den Wiesen entlang des Löbauer Wassers ein Feldlager errichten lies. Ein Denkmal zeugt heute noch hiervon.

Doch als ich dort bin und Stimmen auf dem Geländer der Mühle höre, bleibe ich dieser fern. Ich habe keine Lust auf Smalltalk und andere Menschen. Vielleicht werde ich gerade eigenbrötlerisch. Das liegt bestimmt an der Jurte und der Villa Hühnerglück, die ich gerade entdeckt habe. Dem ein oder anderen ist es sicherlich bekannt, mir bisher nicht. Der Aussteiger Öff-Öff lebte hier mehrere Jahre am Rande der Wiese in einer selbstgebauten Jurte. Mittlerweile ist er weggezogen und einzig diese Bauten erinnern an sein Dasein.

Villa Hühnerglück
Villa Hühnerglück

Ich setze mich auf die Wiese, esse mein Brötchen und etwas Studentenfutter, schwelge in Gedanken und genieße den Blick auf die grüne Wiese und den Wald. Doch irgendwann muss ich weiter. Das Ziel ist noch über 8 km weg. Und der Weg dorthin wird nicht immer im Schatten verlaufen.

Irgendetwas in mir sträubt sich, den gleichen Weg zurück zugehen. Auch wenn das bedeutet, dass ich jetzt erstmal ein paar Höhenmeter zurücklegen muss, damit ich am Rand der Skala entlang wandern kann und immer wieder Blicke ins Tal genießen kann.

Vorbei am Rittersprung, einem Sagenfelsen, zieht es mich dann doch wieder ins kühlere Tal. Es ist einfach viel zu warm. Also ab runter an das Löbauer Wasser und nochmal abgekühlt. Eine Wasserflasche abgefüllt und weiter geht’s. Zügigen Schrittes Richtung Rotstein. Doch Moment! Wo ist meine Sonnenbrille? Och nö. Liegen gelassen. Am Ufer. Also wieder zurück. Nochmal abgekühlt und jetzt aber los.

Die Bäume sprechen zu mir
Die Bäume sprechen zu mir

Ich durchstreife die Georgewitzer Skala wieder gen Georgewitz, lasse das Dorf schnell hinter mir und wandere einen Wirtschaftsweg im luftigen Halbschatten der Ebereschen entlang. Mein kühles Flusswasser kippe ich mir mehrmals über den Kopf, doch alles verdunstet. Was gäbe ich nur für ein gekühltes Getränk.

Von Georgewitz auf den Rotstein

Doch Rettung naht. Der nächste Ort ist in Sicht. Wendisch-Cunnersdorf. Doch auch hier gibt es nichts. Keinen Getränkemarkt, keinen Imbiss, keine Gaststätte. Also weiter gehts. Erstmal schön entlang der aufgeheizten Teerstraße. Doch auch diese zwei Kilometer gehen vorüber.

Wartet auf mich nur noch der Schlussanstieg hinauf auf den Rotstein. Meine Hassliebe. Besonders heute sehne ich mich nach einem baldigen Ende. Die heißen Temperaturen zollen ihr Tribut. Auch wenn es nur 170 Höhenmeter sind, bin ich froh, als ich nach endlos erscheinenden 17 Kilometern endlich das Berghotel am Rotstein erreiche. Im familiengeführten Hotel steuere ich sofort den Biergarten an und genieße meine Belohnung. Ein frischgezapftes Pils.

Auf dem Weg zum Rotsteingipfel
Auf dem Weg zum Rotsteingipfel

Das Panorama auf dem Rotstein

Belohnung am Abend
Belohnung am Abend

Am Abend genieße ich zuerst die sehr leckere Küche des Hauses und gönne mir einen bunten Salat und Ravioli mit Pfifferlingen. Danach erklimme ich den Aussichtsturm am Rotstein und genieße die fantastische Rundumsicht. Wie nah doch 6 Kilometer sind, wenn man nicht einen riesengroßen Umweg wandert.

Aussicht vom Rotstein
Aussicht vom Rotstein

Das 360 Grad-Panorama ist atemberaubend. Ich erblicke im Nordosten die Königshainer Berge, im Osten erblicke ich Görlitz. Im Südosten sehe ich das Isergebirge und im Süden das Zittauer Gebirge mit der Lausche und dem Hochwald. Bestes Wetter und ein fast perfekter Sonnenuntergang runden meinen Abend ab.

Aussichtsturm vom Rotstein
Aussichtsturm vom Rotstein

Die Gipfel des Rotsteins lasse ich aus. Das Bergmassiv besteht aus drei Gipfeln. Sowohl den Georgenberg, als auch den Hengstberg sowie den 455m hohen Rotsteingipfel besuche ich nicht. Liegen diese doch mitten im Wald und bieten keine neuen Fernsichten. Auch wenn sich hier oben Reste einer Kapelle aus dem 11. Jahrhundert und Reste einer spätslawisch-frühdeutschen Befestigungsanlage finden lassen, bleibe ich dem Biergarten treu.

Sonnenuntergang auf dem Rotstein
Sonnenuntergang auf dem Rotstein

Nach einem kleinen Absacker mit einem Berliner E-Biker gehe ich erschöpft schlafen und freue mich auf die morgige Königsetappe und etwas kühleres Wetter. Über 25 Kilometer geht es morgen in die Königshainer Berge.

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Matthias
Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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