Meine Pilgerreise durch die Oberlausitz. Tag 2: Von Cunewalde auf den Löbauer Berg.

Darüber schreibe ich

Nach meinem Aufenthalt in Cunewalde mit einem Besuch der Dorfkirche und der Kleenen Schenke geht meine Pilgerreise vom späten Vormittag bis in den frühen Abend hinein über den Bieleboh, den Bubenik durch Löbau auf den Löbauer Berg zum Honigbrunnen.

Auf den Bieleboh

Blick auf Cunewalde
Blick auf Cunewalde

Das beschauliche Cunewalde verlasse ich nach meinem Rundgang südlich in Richtung Zieglertal. Der kleine Ort zu Fuße des Bieleboh gehört zu Cunewalde und geht auf einen Gutsherrn des Adelsgeschlecht Ziegler und Klipphausen zurück, der hier 1781 eine Siedlung errichten lies. Von hier aus sind es etwas mehr als 2km und über 200 Höhenmeter bis zum Gipfel des Bieleboh. Immer wieder blicke ich zurück ins Tal und genieße den Blick hinüber zum Czorneboh und auf das lange Straßendorf Cunewalde.

Gaststätte auf dem Bieleboh
Gaststätte auf dem Bieleboh

Oben angekommen gönne ich mir erst einmal einen kleinen Imbiss in der Berggaststätte. Überaus lecker ist die Bratwurst mit lauwarmen Kartoffelsalat. Auch das Bieleboh-Bier ist nicht zu verachten. Bevor es nach der kleinen Rast weitergeht – gut 18 km sind es noch bis zum Ziel – statte ich dem Bieleboher Aussichtsturm noch einen Besuch ab. Das Rundumpanorama von hier oben ist grandios. Selbst das östliche Erzgebirge, das Isergebirge und das Riesengebirge sind von hier oben sichtbar. Ebenso wie der Löbauer Berg – mein heutiges Tagesziel ist gut zu erkennen. Dazwischen jede Menge Wald und Feld und sanft geschwungenes Hügelland.

Bieleboh-Bier - volle Übereinstimmung
Bieleboh-Bier – volle Übereinstimmung

Also dann auf, weiter geht’s. Wieder hinab vom 1882/83 erbauten Aussichtsturm. Seine heutige Gestalt erhielt er übrigens vor gar nicht allzu langer Zeit. 1998 wurde der Turm auf 21m Höhe erweitert, da man bei der 12m hohen Ursprungshöhe heutzutage wahrscheinlich nur in Baumwipfel blicken würde.

Der Bieleboh-Turm
Der Bieleboh-Turm

B&B – Vom Bieleboh zum Bubenik

Das Ende des Sommers wird eingeläutet. Am Beiersdorfer Ringweg
Das Ende des Sommers wird eingeläutet. Am Beiersdorfer Ringweg

Mein Weg führt mich schnurstracks in Richtung Osten entlang des Beiersdorfer Ringwegs nach Neudorf und von dort zum Kötschauer Berg. Den 466m hohen bewaldeten Gipfel lasse ich rechts liegen. Mein Weg führt mich nach Kleindehsa durch den Park am Schloss Kleindehsa. Für mich eine der von außen schönsten Grundschulen Sachsens.

Schloss Kleindehsa, heute Grundschule
Schloss Kleindehsa, heute Grundschule

Entlang des kleinen Bächleins Littwasser statte ich dem Bubenik noch einen kleinen Besuch ab. Auch hier führt mich der Weg wie schon des Öfteren am Waldesrand entlang. Die Sonne scheint beständig und lässt mich arg ins Schwitzen kommen. Südseite sei Dank.

Basaltsäulenformation auf dem Bubenik
Basaltsäulenformation auf dem Bubenik

Auf dem 376m hohen Basaltberg Bubenik befindet sich ein Löwenköpfchen  – Basaltsäulenformationen, die auf die vulkanische Aktivität auf dem Berg hindeuten. Zusammen mit seinem Nachbargipfel „Kleine Landeskrone“ bildet er einen Doppelgipfel. Der Blick von hier aus auf Löbau und den Löbauer Berg stimmt mich optimistisch. Den letzten Rest meiner heutigen Tour schaffe ich auch noch.

Bubenik (li) und Kleine Landeskrone (re)
Bubenik (li) und Kleine Landeskrone (re)

On the hellway to high – asphaltierte Schlussanstrengungen auf den Löbauer Berg

Auch wenn das schwerste Stück erst noch bevor steht: Asphalt und ein (mir bekannter) Schlussanstieg. Aber es hilft ja nichts. Ich muss ja heute irgendwie ankommen. Tricksen ist keine Option. Obwohl es eine Busstrecke gibt. Aber durch die geringe Frequentierung der Strecke stellt sich die Wartezeit als zu lang heraus. Also geht es zuerst über Feldwege bis nach Oelsa und von dort aus immer schön asphalthaltig nach Altlöbau und in die Löbauer Innenstadt.

Blick auf Löbau und den Löbauer Berg vom Bubenik aus
Blick auf Löbau und den Löbauer Berg vom Bubenik aus

Seit meinem Aufbruch in Cunewalde fasse ich keinen klaren Gedanken mehr. Zu groß und viel waren die Eindrücke bisher. Ich habe mich treiben lassen. Die Natur und die kleinen Dörfer genießend, versuche ich auf Struktur in meinen Gedanken zu finden. Zu viel Aufregendes ist in den letzten Wochen passiert. Zu viele Pläne liegen vor mir und warten auf ihre Umsetzung. Und doch kann ich keine Ordnung finden. Wie kleine Blitze am nächtlichen Gewitterhimmel funken die Gedanken und Ideen kurz mit großer Energie auf und verpuffen im Dunkel der Nacht wieder. Und übrig bleibt Leere. Beinahe jeder Schritt fördert einen neuen Gedankenblitz zu Tage, der sogleich auch wieder verschwindet.

Nach einem schier endlos wirkenden „Gelatsche“ und den immer größeren Drang etwas kühles, erfrischendes Trinken zu wollen, laufe ich in Löbau doch tatsächlich an einem Getränkemarkt vorbei. Endlich. Eine gekühlte Limonade ist in Nullkommanix ausgetrunken und eine kleine Stärkung damit geglückt. Noch immer sind es 3km bis zum Ziel und einer erfrischenden Dusche.

Unterwegs in Löbaus Altstadt

Kirche St. Nikolai in Löbau
Das barocke Rathaus in Löbau

In Löbau durchquere ich die Altstadt, laufe über den Markt mit seinem schönen barocken Rathaus und den barocken Bürgerhäusern und von dort vorbei an der Kirche St. Nicolai. Das imposante, leider leerstehende König-Albert-Bad liegt ebenso an meinem Weg, wie der Stadtpark. Der Friedenshain war 2012 zentraler Punkt der Landesgartenschau und liegt direkt zu Fuße des Löbauer Bergs. Mein Schlussanstieg ist mit der Querung des Löbauer Wassers eingeläutet. Bleiben noch 1.5km und knapp 150 Höhenmeter für mich und meine müden Füße. Asphalt ist bekanntlich nicht der beste Untergrund zum langen Wandern. Besonders nicht, wenn so eine lange Distanz mehrere Monate zurückliegt.

Wunderschöne Oberlausitz
Wunderschöne Oberlausitz

Aber da muss ich jetzt durch. Im Schneckentempo, einen kleinen Schritt vor den anderen geht es entlang der Straße hinauf zum Honigbrunnen. Da ist sie: Meine Hassliebe. Kurz vor Ende einer solchen Wanderung brauche ich keinen Schlussanstieg. Ich hassliebe jeden Schritt, weil er doch anstrengend ist aber die Belohnung mit jedem Schritt näher rückt. Ein frischgezapftes Gipfelbier, eine kühle erfrischende Dusche und natürlich nicht zu vergessen: Eine herrliche Rundumsicht inmitten der Natur und in ruhiger Umgebung.

Meine Hassliebe. Schlussanstieg auf den Löbauer Berg
Meine Hassliebe. Schlussanstieg auf den Löbauer Berg

So geht es für mich nun hinauf zur Belohnung. Der Honigbrunnen liegt zwar nicht auf dem Gipfel des Löbauer Bergs, hat aber auch eine schöne Aussicht zu bieten. Im Gasthof nächtige ich heute im ersten Obergeschoss mit Terrasse und blicke hinab nach Löbau. Den Sonnenuntergang genieße ich im Biergarten des Honigbrunnens eine (viel zu große) Grillplatte und lasse den Abend recht früh und vollkommen erschöpft im Hotelzimmer ausklingen.

Das Gasthaus Honigbrunnen auf dem Löbauer Berg
Das Gasthaus Honigbrunnen auf dem Löbauer Berg

Die Schritte fallen mir erfahrungsgemäß am ersten Abend einer solchen Mammuttour schwer. Recht staksig gehe ich vom Biergarten hinauf ins Zimmer. Mein corona-konformer Mund-Nase-Schutz verbirgt die verzerrten Mundwinkel bei jedem Schritt ganz gut. Was bin ich froh, dass meine Tour morgen nicht ganz so lang ist.

Mein Etappenziel morgen liegt in gerade einmal 8km Entfernung. Da bin ich ja um 10 schon auf dem Gipfel des Rotsteins, dachte ich mir und schlief ein.

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Matthias
Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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