Bis heute hatte ich viel davon gehört. Aber selbst hab ich es noch nie getan. Heute sollte es also soweit sein. Draußen war schönes Wetter. Fast schon etwas zu heiß. Mein Blut war also vorher schon in Wallung geraten. Auch schwitzte ich schon leicht. Und jetzt hieß es: „Hinein mit dir!“ Es war etwas kühler hier. Schritt für Schritt ging es nun voran. Immer höher und weiter. Der Puls wird schneller. Der Atem intensiver. Ich berühre dich eng umschlungen. Halte mich immer wieder an dir fest. Manchmal weiß ich nicht so recht wie. Kurz vor dem Höhepunkt bin ich etwas unsicher. Stellungswechsel. Auf einmal ist alles anders. Es geht nicht mehr Schritt für Schritt nach oben, sondern mehr in die Breite. Unter mir ein großer Abgrund. Ich bin nicht gesichert. Die Angst gewinnt etwas überhand. Doch dann, packe ich alle Energie und Kraft zusammen, bekomme Unterstützung und mutige Worte zugesprochen. „Langsam, du schaffst das. Schritt für Schritt. Immer nachgreifen. Gleich hast du es geschafft“.

Jaaaaaa. Ich komme. Hier bin ich. Oben angekommen. Die Häntzschelstiege absolviert. Und das als meine erste Kletterstiege und ohne Sicherung. Der Blick hier oben ist so fantastisch. All die Anstrengungen haben sich gelohnt. Meine Knie sind noch etwas schlotterig und es wird noch ein wenig dauern, bis ich wieder locker gehen kann.

Blick nach dem Überwinden der Oberen Häntzschelstiege
Blick nach dem Überwinden der Oberen Häntzschelstiege

Doch der Reihe nach. Bis wir hier sind vergehen noch einige schweißtreibende Kilometer auf einer rundum gelungenen Wandertour mit Marco und Ronny, die hier auch schon Beiträge verfasst haben.

Vom Nassen Grund zur Oberen Häntzschelstiege

Die Wolfsstiege hinauf zur oberen Affensteinpromenade
Die Wolfsstiege hinauf zur oberen Affensteinpromenade

Unsere heutige Wandertour startete zu relativ früher Stunde 8:15 Uhr am Parkplatz „Nasser Grund“ im Kirnitzschtal. Zugegebenermaßen bin ich sonst immer später dran und hab hier noch nie geparkt. Da für den Nachmittag Gewitter angekündigt waren und die Temperaturen an der 30Grad-Marke nagen sollten, haben wir uns für ein frühe Anreise entschieden. Die Parkplätze und auch die Wanderwege sind zu dieser Zeit noch leer. Ein unbestreitbarer Vorteil, gerade an Ferienwochenenden. Also dann. Nichts wie los und rein in den Nassen Grund vorbei am Infoschild des Flößersteigs. Nach einigen Metern biegt rechts der Weg Eulentilke ab. Der Name leitet sich von seiner Bedeutung „kleines Tal“ ab. Auch wenn wir keine Eulen gesehen haben, lässt sich zumindest der hintere Teil des Wortes nachvollziehen. Beeindruckende Felsformationen rechts und links des Weges sind durchgehend unser Begleiter, bis wir dann am Ende des Tals linkerhand auf die untere Affensteinpromenade abbiegen. Nach 2km Gesamtstrecke geht es rechterhand auf den Königsweg die Stufen hinauf.

Und da Ronny mir eine Stiegentour ankündigte war ich etwas überrascht, dass es nicht rechts zur Unteren Häntzschelstiege oder zur Zwillingsstiege ging, sondern linkerhand weiter den Königsweg entlang. Diesen Teil der Strecke bin ich erst im Februar bei meiner Tour zur Idagrotte und den Kuhstall gegangen. Dementsprechend wusste ich was auf mich zukommt: die anstrengende Wolfsstiege hinauf. Gerade bei Temperaturen jenseits der 25 Grad eine schweistreibende Angelegenheit.

Durchgang an der oberen Affensteinpromenade
Durchgang an der oberen Affensteinpromenade

Oben angekommen geht es links zur Idagrotte und rechts gefühlt hinauf in eine Sackgasse. Doch weit gefehlt. Durch einen Felsspalt führt der Weg der Oberen Affensteinpromenade weiter. Der Ausblick von hier ist fantastisch. Überall am Wegesrand findet man Heidelbeeren als kleinen Snack für zwischendurch. Und immer wieder schaut man in die Gebirgslandschaft der Hinteren Sächsischen Schweiz. Der Weg ist locker und leicht. Führt mal leicht hinab und leicht hinauf. Meine Anspannung indes steigt. Ich weiß so langsam, was kommt: Die Obere Häntzschelstiege.

Die Häntzschelstiege hinauf

Der Kamin - Einstieg in die Obere Häntzschelstiege
Der Kamin – Einstieg in die Obere Häntzschelstiege

Hier stehen wir nun. Kurz gestärkt betrachte ich den Fels, der sich vor mir auftürmt. Und wo soll da die Stiege sein? Dort ist ein kleiner Spalt, Kamin genannt. Durch den müssen wir uns durchzwängen. Gesagt getan. Packen wirs an. Kamera eingepackt und konzentriert hinauf. Der Einstieg ist nur ein wenig mühsam, da die erste Stiege etwas außer Trittweite ist. Der Anfang ist noch relativ harmlos. Es geht einige Stiegen hinauf im dunklen, kühlen Kamin. Das Umfassen zur ersten Metallleiter braucht dann schon ein wenig Konzentration für mich als höhenängstlichen Wandersmann. Doch eigentlich ist auch das noch kein Hindernis.

Meine kritische Stelle an der Häntzschelstiege
Meine kritische Stelle an der Häntzschelstiege

Das Kribbeln nimmt aber noch etwas mehr am Ende der Leiter zu, als ich den vorneweg geeilten Ronny so in luftiger Höhe zwischen zwei Stiegen possieren stehe. Ein Bild, dass sich mir eingebrannt hat. Dort hin muss ich. Und dort hin geht es nur mit einem Umgreifen und waagerecht angeordneten Stiegen. Der Kopf macht nicht mit. Ich fluche innerlich und äußerlich, „auf welche Scheiße ich mich hier eingelassen habe“. „Stopp!“, halt es von unten. Ich verursache einen Stau. Das macht es jetzt nicht gerade besser. Ich verharre steif wie ein Stock am Übergang. Ronny spricht mir Mut zu, hangelt wie Tarzan an Lianen zurück zu mir und gibt mir genaue Anweisungen um diese kribbelige Situation zu überstehen. Das Umgreifen von der einen Felsseite auf die andere ist dann wieder nur ein kleines Problem und die letzten Stufen hinauf auf die Spitze erweisen sich als geringe Herausforderung.

Blick nach dem Überwinden der Oberen Häntzschelstiege
Blick nach dem Überwinden der Oberen Häntzschelstiege

Wow. Was für ein Blick hier oben. Ich muss mich erstmal setzen und stärken. Aber der Nervenkitzel hat sich wirklich gelohnt. Die Aussicht hier oben ist wirklich fantastisch und auch wenn mal etwas mehr los ist, findet man hier immer noch ein freies Fleckchen zum Sitzen. Meine Knie sind immer noch schlottrig. Ich muss mehrfach tief durchatmen, damit sich meine Anspannung löst. Langsam werde ich gelöster, Endorphine werden ausgestreut, ich fühle mich gut und ein wenig stolz.

Eine Einsteigerstiege habe ich mir doch ein wenig leichter vorgestellt, aber ich kenne ja auch keine Vergleichswerte.

Blick zurück auf dem Langen Horn
Blick zurück auf dem Langen Horn

Der Weg entlang des Langen Horns erfordert nur am Anfang des Affensteinplateaus noch etwas Konzentration und Trittsicherheit. Danach ist es wieder ein Spaziergang.

Die Heilige Stiege hinab zum Unteren Terrassenweg

Marco auf der Zwillingsstiege
Marco auf der Zwillingsstiege

Das Lange Horn verlassen wir dann rechterhand hinunter über den Zurückesteig und die Heilige Stiege. Diese ist eine ellenlange Metalltreppenstiege, bei der man inmitten der Affensteine richtig Höhenmeter überwindet. Hinauf ist sie sicherlich mindestens genauso atemraubend, wie die Wolfsstiege am Königsweg. Unterhalb der Bussardwand (wo auch gebooft werden kann) zweigt ein Weg an der Heiligen Stiege ab. Der Untere Terrassenweg führt vorbei an der Heringsgrundnadel stets entlang der Felswände. Wir nutzen eine der schattenspendenden Felsvorsprünge mit einem angenehm kühlenden Windzug für die Premierenfolge meiner demnächst erscheinenden Wanderviews.

Die Rotkehlchenstiege hinauf

Die Rotkehlchenstiege
Die Rotkehlchenstiege

Der Untere Terrassenweg führt unvermeidlich auf die Rotkehlchenstiege zu, die der Weg hier kreuzt. Wir gehen die vierte Stiege im Bunde wieder hinauf. Vom Schwierigkeitsgrad her verlangt die Rotkehlchenstiege etwas mehr Koordinationsvermögen. Hier geht es über pures Treppensteigen hinaus und es müssen einige größere Tritte überwunden werden. Allerdings gibt es hier genügend Möglichkeiten zum Festhalten. Oben angekommen gibt es ein kleines Felsplateau, von dem ich nochmal eine schöne Aussicht genieße.

Durch den Wilden Grund, die Lorenzlöcher und den Jordanweg zum Nassen Grund zurück

Der anschließende Weg durch den Wilden Grund, die Lorenzlöcher und entlang des Jordanwegs ist nicht mehr anstrengend. Das liegt vermutlich auch daran, dass es hier nur noch bergab geht. Entgegengesetzt kommt man auch hier ganz schön ins Schnaufen würde ich meinen. Die letzten Kilometer der Tour sind recht schnell absolviert. Zügig und angetrieben von zwei weiteren Zielen meiner heutigen Wanderung führt uns der Weg vorbei an vielen Sandsteinfelsen und durch die Täler wieder in den Nassen Grund.

Felsformationen in der Sächsischen Schweiz
Felsformationen in der Sächsischen Schweiz

Die zwei Ziele meiner schweißtreibenden Tour sind:

  1. Eine wohlverdiente Abkühlung in der Kirnitzsch am Nassen Grund
  2. Eine weitere wohlverdiente Hefeweizen-Abkühlung am Elbufer in Bad Schandau im Café nahe der Therme

Die Wandertour als Streckenvorlage:

Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

2 Kommentare

  1. Hallo Mattias,
    2016 habe ich im Elbsandsteingebirge viele Wanderungen gemacht. Meine Letzte Tour war der untere Terrassenweg im Schmikaer Kessel oder sind das die Affensteine?
    Von Schmilka bis zur Mitte der Heiligen Stiege, zweigt links über ein tiefer gesetztes Absperrholz der Untere Terrassenweg ab. Man kommt am mittleren Teil der Rotkehlchenstiege vorbei, muss über eine 3 Meter hohe Felspalte zum Rauschengrund und zurück nach Schmilka.
    Dabei mach ich viele Fotos, leider nicht so gute wie Du. Dabei habe ich immer ein GPS-Gerät, das den Weg (Tracks) aufzeichnet. Zuhause schau ich mir am PC die Wanderung an. Schade, hier kann ich Dir weder Bilder noch die Wegeaufzeichnung schicken.
    Es Grüßt Dich Egon

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