Die Geschichte Sachsens und vor allem des Erzgebirges war über Jahrhunderte geprägt durch den Bergbau. Zahlreiche Besucherbergwerke laden Interessierte heute ein, ein Stück dieser Geschichte zu entdecken und sich selbst ein Bild von der schweren Arbeit der Bergleute unter Tage zu machen. Etwas ganz Besonderes bietet hierbei das Besucherbergwerk „Alte Hoffnung Erbstolln“ im mittelsächsischen Schönborn-Dreiwerden bei Mittweida: in den Berg geht es per Boot.

Hermannschachthaus
Hermannschachthaus

Doch der Reihe nach: Die Führung beginnt im Hermannschachthaus. Nach einem Eintrag ins Besucherregister erhält jeder Besucher einen Kittel zum Überziehen, einen Helm und ein Bergmannsgeleucht. Danach gibt der Bergführer einen Abriss über die Gegebenheiten des Geländes um die Grube und über die Geschichte des Bergbaus in Schönborn, die bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück reicht. Danach bekommt man den mittlerweile verschlossenen Schacht, aus dem das abgebaute erzhaltige Gestein zutage befördert wurde und die Scheidebank zu sehen, auf der man grob das Erz vom tauben Gestein mittels eines Hammers trennte. Daran schließt sich eine kurze Wanderung hangabwärts durch den Wald bis zum Stollenmundloch „Querbruch“ an.

Einfahrt in den Berg

Karte des Bergbauareals Schönborn
Karte des Bergbauareals Schönborn

Bestimmend für den Bergbau in Schönborn war die einzigartige Lage der Grube, liegt sie doch auf bzw. in einem Bergrücken, den die Zschopau in einer Schleife umfließt. Vermutlich bereits im 14. Jahrhundert fand der Bergbau hier bis zu 60 Meter unterhalb des Wasserspiegels der Zschopau statt, was eine dauerhafte Entwässerung der Stollen notwendig machte. Dies geschah zu dieser Zeit noch mit Menschenkraft, was den Bergbau unrentabel macht und zum Erliegen brachte. Erst im 19. Jahrhundert erlaubte der technische Fortschritt eine Wiederaufnahme des Bergbaus in Schönborn, der zwischen 1858 und 1875 seine Blütezeit erreichte. Abgebaut wurde hier vor allem Blei und Silber.

Der Bergbau fand zu dieser Zeit bis in eine Tiefe von knapp 300 m statt. Diese Abbaustollen sind mittlerweile vollständig geflutet, da seit der Aufgabe des Bergbaus selbstverständlich auch keine Entwässerung mehr stattfindet. Zu besichtigen gibt es hier in Schönborn deshalb auch nicht das ursprüngliche Abbauareal im Berg, sondern jene Stollen, die zum Betrieb der Entwässerungsanlage angelegt wurden.

Bootseinfahrt (Blick vom Anlegesteg)
Bootseinfahrt (Blick vom Anlegesteg)

Hierfür nutzte man die eben beschriebenen Vorteile des Geländes. Da die Zschopau direkt am Berg vorbei fließt, lag es nahe, Wasserkraft zum Betrieb der Pumpen einzusetzen. Also trieb man einen Stollen gerade durch den Berg, um einen Teil des Zschopauwassers durch den Berg zu leiten. Dort, wo das Wasser den Berg wieder verlies, startet heute die Besichtigungstour mit der in Deutschland einmaligen Einfahrt in den Berg per Boot.

Pumpentechnik und Erzabbau

Im östlichen Turbinenraum
Im östlichen Turbinenraum

Mit dem Boot gelangt man in den östlichen Turbinenraum. Da das Wasser der Zschopau durch den Stollen lediglich einen Höhenunterschied von 1,76 m überwindet, konnten herkömmliche Wasserräder nicht die benötigte Leistung erbringen, um das eindringende Wasser aus der Grube zu pumpen. Da man im Freiberger Bergbaurevier über Tage bereits gute Erfahrungen mit in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts in Frankreich erfundenen Turbinen gemacht hatte, wurde in Schönborn zum ersten Mal in der sächsischen Bergbaugeschichte eine Turbine unter Tage eingesetzt. Anhand einer Schautafel erklärt der Bergführer ausführlich die Technik, die hier zum Einsatz kam.

Rekonstruktion eines Teil der Pumpentechnik
Rekonstruktion eines Teil der Pumpentechnik

Von dort geht es in die so genannte „Steigerstube“, wo den Besuchern die Werkzeuge der Bergleute erläutert werden: Schlegel, Eisen und Handbohrer. Anschließend geht es über mehrere Fahrten (Leitern) durch den Hermann- und den Clementinenschacht nach oben. Vorbei kommt man dabei an nach den Originalplänen rekonstruierten Teilen der ehemaligen Pumpentechnik. Anhand eines rekonstruierten „Kunstwinkels“ demonstriert der Bergführer mittels Muskelkraft die Übertragung der Arbeitsbewegung von der Antriebsmaschine auf die Pumpgestänge – kurz gesagt: Er pumpt Wasser aus der Grube.

Weiter nach oben geht es bis in den Erzförderstollen, wo man noch etwas zum Erztransport und der Erzaufbereitung erfährt. Dieser Stollen führt letztlich wieder an die Erdoberfläche. Kinder können die letzten Meter bis zum Ausgang auch mit der Hunte zurücklegen, die im Erzförderstollen auf den Schienen wartet.

Ausgang des Bergwerks
Ausgang des Bergwerks

Zum Abschluss der Führung heißt es nun noch, die gestellte Ausrüstung zurück zu geben und mit einer Unterschrift im Zechenbuch die wohlbehaltene Rückkehr aus dem Berg zu bestätigen.

Tipp für Abenteuerlustige: „Ein Tag unter Schönborner Erde“

Wem die Standardbefahrung des Besucherbergwerkes zu langweilig ist oder wer etwas ganz Besonderes erleben möchte, dem sei die Exkursionbefahrung nahe gelegt. Mitbringen sollte man hierfür Zeit (die Tour dauert circa fünf bis sieben Stunden), gute Kondition, alte Kleidung, (Gummi-)Stiefel und auf keinen Fall Platzangst!

Die Exkursionsbefahrung ist in Gruppen von fünf bis zehn Leuten und nach Voranmeldung möglich.

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