Man könnte meinen, Mutter Natur wollte ein Gleichgewicht herstellen, als sie die Elbe hier einen so großen Bogen fließen lies, um den vielen linkselbischen Tafelbergen zumindest einen rechtselbischen gegenüberzustellen. Den Lilienstein.

Seinerseits das Wahrzeichen des Nationalparks Sächsische Schweiz und damit omnipräsent in den Medien, der Nationalparkwerbung und der Ausschilderung der Kernzonen. Zeit also, dem Berg mal einen Besuch abzustatten.

Der Lilienstein im Laufe der Zeit

Wettinobelisk von der Westseite des Lilienstein
Wettinobelisk von der Westseite des Lilienstein
Stufen auf der Westseite des Lilienstein
Stufen auf der Westseite des Lilienstein

Vor Jahrmillionen war der Lilienstein eine Insel inmitten der Urelbe. Hartes Gestein bildet den Kern des Bergs. Umspült vom fließenden Gewässer wurden die lockeren Gesteine und Sedimente abgetragen. Der Tafelberg als solcher hielt jeder Witterung stand und bildet heute eine besonders markante Bergform. Tafelberge sind eine Besonderheit der Sächsischen Schweiz. In europäischen Mittelgebirgen findet man nur im polnischen Heuscheuergebirge noch Tafelberge.

Mit seinen Tafelbergen kann die Sächsische Schweiz fast schon als kleiner Bruder des Monument Valley in Utah, USA gelten. Die Cowboys aus diversen Werbefilmchen hätten auch hier auf ihren Pferden ein Bild von Freiheit und Abenteuer abgeben können.

Doch zurück zum Lilienstein. Bereits in der Urzeit wurde dieser besiedelt oder aber für kultische Zwecke genutzt. Es ist davon auszugehen, dass erste Siedler im Zeitraum 12.000 v.Chr. – 2200 v.Chr. auf dem Lilienstein hausten.

Die Burg Lilienstein

Burg Lilienstein - © Hartmut Braun, burgrekonstruktion.de
Burg Lilienstein – © Hartmut Braun, burgrekonstruktion.de

Im Hochmittelalter existierte eine erste böhmische Burg auf dem Lilienstein, die bei der ersten urkundlichen Erwähnung des Liliensteins noch immer existierte und nach der Dohnaischen Fehde 1402 in den Besitz der Markgrafen von Meißen, der späteren Herzöge und Kurfürsten von Sachsen überging. In den folgenden Jahrzehnten verfiel die Burg allerdings. Heute sind noch Mauerreste sichtbar, die 1894 bei Grabungen freigelegt wurden. Die Dimensionen der Burg waren mit 38,5 Metern Länge und bis zu 26 Metern Breite recht gering.

Lilienstein heute

Panorama vom Lilienstein gen Süden
Panorama vom Lilienstein gen Süden

Zum Zeitpunkt dieser Ausgrabungen war auf dem Lilienstein schon eine Bergwirtschaft eröffnet, die auch noch heute von April bis Oktober und auch an manch anderem schönen Wochenende und Feiertag geöffnet hat. Als Ausflugsziel ist der Lilienstein aufgrund seiner exponierten Lage sehr beliebt. Aussichtspunkt reiht sich an Aussichtspunkt und das gesamte Plateau lädt zu Erkundungen ein.

Aufstiege auf den Lilienstein

Südaufstieg am Lilienstein mit Obelisk
Südaufstieg am Lilienstein mit Obelisk

Pläne einer Bergbahn auf den Lilienstein wurden ad acta gelegt. Und das ist auch gut so. Schließlich gibt es zwei Wege auf den Gipfel. Zum einen wäre da der Südaufstieg. Von Königstein aus führt ab der Fähre der blaumarkierte Aufstieg über zahlreiche Stufen nach oben. Dabei geht es vorbei an der Westecke des Liliensteins. Hier befindet sich eine von nur drei zum Klettern freigegebenen Massivwänden im Klettergebiet der Sächsischen Schweiz. Diese Tatsache macht den Lilenstein mit seinen langen, exponierten Anstiegen zu einem beliebten Klettergebiet. Zusammen mit den drei Klettergipfeln Liliensteinnadel, Liliensteinwächter und Heini bietet der Lilienstein zahlreiche Klettermöglichkeiten.

Der Nordaufstieg führt im Schatten des Liliensteins von den Orten Kurort Rathen, Waltersdorf und Prossen ausgehend hinauf.

Von beiden Aufsteigen ist keiner anstrengender als der andere. Auch sind beide keine Einbahnstraßen und sowohl für den Aufstieg, als auch für den Abstieg gedacht.  Für mich ist der Südaufstieg der schönere.

Sehenswürdigkeiten auf dem Lilienstein

Lilienstein Südseite
Lilienstein Südseite

Oben angekommen gibt es eine Menge zu entdecken. Da wären zum einen die zahlreichen Aussichtspunkte hinüber zur Bastei, nach Königstein und ins Kerngebiet nach Bad Schandau. Zahlreiche Gipfel der Sächsischen und Böhmischen Schweiz sind vom Lilienstein aus sichtbar. Vom Südaufstieg oben ankommend empfiehlt sich zuerst einmal ein kleiner Abstecher nach links. Vorbei am Liliensteinwächter geht es kurzerhand zur Lilienstein-Westecke von der aus man einen herrlichen Rundumblick auf das Basteigebiet, den Rauenstein und den Königstein hat. Auch der Blick auf das Liliensteinmassiv ist von hier aus gigantisch. Der Südaufstieg liegt dir zu Füßen und zahlreiche Wanderer im Tal, die von der Fähre Königstein her kommen sind beobachtbar.

Nach dem kleinen Abstecher in den Westen geht es wieder zurück und dann zur Liliensteinbaude, in die eingekehrt werden kann. Von hier aus kann das Liliensteinplateau entgegen des Uhrzeigersinns erkundet werden. Folgende Sehenswürdigkeiten warten im weiteren Verlauf auf dich:

  1. Reststück der Sächsischen Triangulationssäule von 1865

    Triangulierung auf dem Lilienstein
    Triangulierung auf dem Lilienstein

    1865 wurde für die sächsische Landesvermessung eine Triangulierungssäule auf dem Lilienstein errichtet. Zur Vermessung des Freistaats wurde ein umfangreiches Netz an Königlich-Sächsischne Triangulirungspunkten geschaffen, um maßstabsgetreue Karten von Sachsen zu erschaffen. Der Rest dieser Säule befindet sich im Westteil des Liliensteins.

  2. Wettinobelisk

    Wettinobelisk auf dem Lilienstein
    Wettinobelisk auf dem Lilienstein

    Zum 800-jährigen Bestehens des sächsischen Herrscherhauses der Wettiner wurde 1889 eine Gedenksäule auf dem Lilienstein errichtet. Der 16 m hohe Obelisk sieht beinahe wie eine Kursächsische Postmeilensäule aus und wurde vom Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz errichtet.

  3. Liliensteinnadel

    Einer der 3 Klettergipfel auf den Lilienstein hinauf.

  4. Eine Korbseilbahn

    Die Korbseilbahn wird zu logistischen Zwecken und Warentransporten genutzt. Gut so, dass es keine Bergbahn gibt, wie Anfang des 20. Jahrhunderts geplant.

  5. Obelisk

    Obelisk für August den Starken und dessen Besteigung
    Obelisk für August den Starken und dessen Besteigung

    Mit seinen beiden eingemeißelten Schwertern und dem Symbol August des Starken erinnert ein weiterer Obelisk an der Ostseite des Plateaus an Augusts Besteigung im Jahr 1708. August wählte den Südaufstieg, der Nordaufstieg wurde erst wesentlich später errichtet.

  6. Die Wetterkiefer

    Wetterkiefer auf dem Lilienstein
    Wetterkiefer auf dem Lilienstein

    Eine der bekanntesten Fotomotive in der Sächsischen Schweiz ist die Wetterkiefer auf der Ostseite des Liliensteins. Ihre gekrümmte Form und die wundervolle Aussicht, die sie von hier oben genießt führt zu zahlreichen Fotostunden passionierter Fotografen in den Morgenstunden. Der Blick in Richtung Osten, im Vordergrund die windgeformte Kiefer, zu Füßen die rotgetränkte Elbe um Bad Schandau – bei einem Sonnenaufgang hier oben ist man garantiert nicht allein.

  7. Mauerreste der Burg Lilienstein

    In der Nähe des Liliensteingipfels befinden sich Mauerreste der ehemaligen Burg Lilienstein. Folgt man nicht dem Nordabstieg sondern schließt die Runde zurück in Richtung Liliensteinbaude kann man die freigelegten Mauerreste begutachten.

Nach dem kleinen Rundgang kann der Abstieg über den Nordabstieg erfolgen, der vom Wirt der Liliensteinbaude 1900 errichtet wurde.

Anreise und Parkmöglichkeiten am Lilienstein

bizarre Kiefern auf dem Lilienstein
bizarre Kiefern auf dem Lilienstein

Wer „nur mal schnell“ auf den Lilienstein hinauf will, der parkt am besten aus Richtung Waltersdorf kommend am Wanderparkplatz an der Liliensteinstraße. Hier gibt es zwar nur Tagestickets für 3€, der Bequemlichkeit halber ist dieser Standpunkt aber ideal für einen kurzen Abstecher hier rauf. Wenn du dir alles in Ruhe anschauen möchtest sind zwei Stunden Aufenthalt genügend. Natürlich kannst du auch in Waltersdorf parken und die Wanderung ausdehnen.

Weitere Parkmöglichkeiten findest du in Königstein. Von hier musst du die Fähre rüber nach Ebenheit nutzen.

Längere Wanderungen bieten sich vom Lilienstein aus auch an. Entlang der Elbe bis nach Rathen kannst du beispielsweise eine Runde zum Gamrig mit seinen Höhlen drehen, oder aber eine Tagestour mit Fährüberquerung zur Festung Königstein und auf den Quirl unternehmen.

Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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