Versteckte, wertvolle Schätze, eine Jungfer, die in die Tiefe springt und ein geheimnisvoller Friedhof. Viele Sagen und Geschichten ranken sich um die Burg- und Klosterruine Oybin im Zittauer Gebirge. Folgt mir auf eine kleine Entdeckungsreise in die Oberlausitz.

Der Berg Oybin

Oybin mit Bergkirche
Oybin mit Bergkirche

Der wohl bekannteste Berg im Zittauer Gebirge ist der 514m hohe Oybin. Ihm zu Fuße liegt das gleichnamige Städtchen. Mit seinem markanten Erscheinungsbild eines Bienenkorbs ist er einer der beliebtesten Ausflugsziele in Sachsen. Mit den auf dem Plateau befindlichen Ruinen der Burg und des Klosters ist der Oybin eines der Wahrzeichen des Mittelgebirges im südöstlichsten Zipfel Sachsens nahe der tschechischen und polnischen Grenze. Doch der Berg hat noch weit mehr zu bieten, als nur Ruinen.

Der Aufstieg auf den Oybin

Auf den Oybin gelangst du von der Ortsmitte Oybins über  einen etwa 15 Minuten dauernden Aufstieg. Dabei gehst du vorbei an der Bergkirche auf einem Weg mit Treppen. Einen kleinen aber sehenswerten Umweg führt durch einen schmalen Felseinschnitt „Ritterschlucht“ genannt. Für die etwas Lauffaulen fährt der „Oybiner Gebirgs-Express“ auf den Oybin bis fast an den Eingang der Burg- und Klosteranlage.

Die Bergkirche

Bergkirche Oybin
Bergkirche Oybin

Während des gerade erwähnten Aufstiegs passierst du die Oybiner Bergkirche. Viele Jahrhunderte hatte Oybin keine eigenen Kirche. Erst 1709 startete der Bau für die Bergkirche, der 1734 abgeschlossen wurde. Dabei wurde die Kirche in den Berg gemeißelt. Der untere Teil der dem Berg zugewandten Kirchseite ist original Felswand. Auch wurde kein Plateau geschaffen, so das die Sitzbänke etwas ungewöhnlich nach oben hin ansteigend platziert sind. Die Innenräume sind standesgemäß für den Barock, reich gestaltet. Die Kirche ist größtenteils aus Holz. Durch die reichhaltige Ausschmückung und die vielen Bildmotive ist die Bergkirche eine der schönsten Kirche der Region und einen Besuch beim Aufstieg oder Abstieg wert.

Burg-und Klosterruine auf dem Berg

Burg- und Klosterruine Oybin
Burg- und Klosterruine Oybin

Natürlich war die Burg- und Klosterruine nicht immer eine. Seit Alters war der Berg Oybin eine Siedlungsstätte. Schon im 11. und 12. Jahrhundert vor Christus siedelten Menschen auf dem Berg, wie Fundspuren von Tonscherben beweisen. Nachdem im 13. Jahrhundert nach Christus Raubritter erste bauliche Maßnahmen vornahmen, wurde die Anlage im 14. Jahrhundert zu einer wehrhaften Abschnittsburg zum Schutz der nahe gelegenen Handelswege unter Heinrich von Leipa erweitert. Überhaupt fanden im 14. Jahrhundert zahlreiche Neubauten statt. 1364 wurde von Kaiser Karl IV. das Kaiserhaus als Altersruhesitz errichtet, 2 Jahre später wurde der Bau der gotischen Kirche begonnen und 1369 stiftete der Kaiser den Cölestinern das Kloster auf dem Oybin.

Im 15. Jahrhundert erwies sich die Burg als uneinnehmbare Festung. Sie hielt zwei Angriffen der Hussiten stand im Jahre 1420 und 1429 stand. Bis ins 16. Jahrhundert wurde die Burg weiter ausgebaut. Als im Zuge der Reformation das Kloster aufgegeben wurde, 1577 ein Blitz einschlug und 1681 ein Felssturz weitere Beschädigungen mit sich brachte, war die Burg schon weitestgehend unbewohnt.

Burg- und Klosterruine Oybin
Burg- und Klosterruine Oybin

Seitdem ist der Berg mit seiner Burg zu einer mystisch, romantischen Ruine verkommen, die im 19. Jahrhundert zahlreiche Maler der Romantik anzog. Caspar David Friedrich malte nicht nur in der Sächsischen Schweiz sondern auch hier auf dem Oybin und verhalf ihm damit zu wiedererstarkter Beliebtheit. Die Eröffnung der Zittauer Schmalspurbahn 1890 und die zuvor eröffnete Eilpostkutschverbindung von Zittau nach Oybin taten ihr übriges.

Umfangreiche Restaurierungsarbeiten legten weitere Teile der Burg frei und sorgten dafür, dass in der Kirchruine wieder Konzerte aufgeführt werden konnten. Mit zahlreichen Sonderveranstaltungen, historischen Burg- und Klosterfesten und einem regelmäßig geöffneten Museumsbetrieb und der Gastronomie kommen heute knapp 100.000 Besucher jährlich auf die Burg- und Klosterruine auf dem Oybin.

Burg und Kloster Oybin  - © Hartmut Braun, burgrekonstruktion.de
Burg und Kloster Oybin – © Hartmut Braun, burgrekonstruktion.de

Von der Burg zu besichtigen sind dort unter anderem das bereits erwähnte Kaiserhaus, eine spätmittelalterliche Fußbodenheizung, das Bahrhaus mit dem unterirdischen Gang, 3 Burgtore, Wehrtürme, das Amtshaus und das Gesindehaus, sowie viele weitere Gebäude und Plätze.

Vom Kloster sind neben der Klosterkirche auch die Wenzelskapelle, die Unterkirche und der Kreuzgang erhalten und besichtbar.

Der Bergfriedhof

Burg- und Klosterruine Oybin
Burg- und Klosterruine Oybin

Neben dem Friedhof in Bautzen ist der Bergfriedhof auf dem Oybin sicher der schönste Friedhof Sachsens. Zu Füßen der Klosterkirchruine und umgeben von Felsen liegt der Friedhof hoch oben auf dem Felsplateau. Schon der Maler Carl Gustav Carus lies sich von der Stimmung inspirieren und schuf ein wundervoll stimmungshaftes Motiv des Friedhofs im Winter.

Die Camera Obscura

Camera Obscura auf dem Oybin
Camera Obscura auf dem Oybin

Funktionsfähige und zu besichtigende Camera obscurae gibt es deutschlandweit nicht allzu viele. Neben der hier oben auf dem Oybin gibt es in Sachsen noch eine zweite (viel schönere) in Hainichen und in Deutschland in Summe derer fünf. Die Projektion der Oybiner Camera Obscura wirft einen Live-Blick auf die nähere Umgebung. Hier oben auf dem Oybin kann man seit 1852 den Hausgrund, das Oybintal zwischen Ameisenberg und Töpfer bis hin nach Zittau und das unmittelbare Geschehen vor dem Häuschen auf dem Plateau beobachten. So sorgt die Camera seit Jahrhunderten für große Freude im Inneren. Denn schließlich bekommen die Touristen außerhalb des Häuschens nichts von ihrer Beobachtung durch die Camera Obscura mit. Doch nicht nur die Beobachtung der Burgbergbesucher steht auf dem Tagesprogramm, auch wissenschaftliches Wissen, astronomische Phänomene und Erkenntnisse der Kosmologie und Astrophysik werden anschaulich vermittelt.

Die Aussicht vom Bergplateau

Blick auf Oybin vom Klosterkirchturm der Ruine
Blick auf Oybin vom Klosterkirchturm der Ruine

Die Aussichten auf das Städtchen Oybin und die es umgebende Berglandschaft sind von überall auf dem Plateau möglich. Doch für die beste Aussicht wirst du ein paar Stufen nach oben gehen müssen. In der Klosterruine führt eine Wendeltreppe nach oben. Von hier ist die Aussicht auf die Ruine, die Stadt und die Gebirgslandschaft des Zittauer Gebirges am besten.

Weitere zahlreiche Aussichtsmöglichkeiten hast du entlang des Rundwegs auf dem Berg, der beim Jungfernsprung startet und die Burg auf der östlichen Seite umrundet. Nach 20 Minuten bist du beim Gasthaus und in der Nähe des Friedhofs wieder in der Anlage.

Sagen, Geschichten und Mythen um den Oybin

Klosterkirchruine Oybin
Klosterkirchruine Oybin

Zahlreiche Sagen, Geschichten und Mythen ranken sich rund um den Oybin. Die bekannteste Sage ist die des Jungfernsprungs. Demnach floh ein junges Fräulein wahlweise vor einem lüsternen Mönch oder Jäger und sprang an der heute Jungfernsprung genannten Brücke in der Nähe des Südplateaus hinab und überstand den Sprung unbeschadet.

Eine weitere Sage weiß von einem Geheimgang von Oybin nach Zittau zu berichten, den es aber nicht gegeben hat. Der unterirdische Gang im Bahrhaus war ein Fluchtweg bei Belagerung und wurde von Boten oder als Warenaufzug genutzt. Bis nach Zittau hat dieser unterirdisch allerdings nicht geführt.

Keine Sage, sondern wahr sind die Tatsachen, dass die Burg ein beliebtes Versteck für Schätze war. Zum einen wurden Teile des Prager Domschatzes vom Veitsdom auf dem Oybin verwahrt, um ihn erfolgreich vor dem Zugriff der Hussiten zu sichern. Auch das Zittauer Fastentuch – heute eines der bedeutendsten Kunstwerke aus dem 15. Jahrhundert und das größte erhaltene Fastentuch überhaupt – wurde hier in den Mauern der Burg Oybin versteckt. Leider aber nicht so gut. Russische Soldaten plünderten die Schätze des Museums und zweckentfremdeten das Fastentuch als Duschvorhang und zerschnitten es in vier Teile.

Der Oybin – Lohnendes Ausflugsziel im Südosten Sachsens

Burg- und Klosterruine Oybin
Burg- und Klosterruine Oybin

Um den Oybin ranken sich viele weitere Geschichten und Sagen über Ritter, Hexen, vergrabene Schätze, unterirdische Gänge, echte Jungfrauen und böse Räuber. Diese alle kannst du selbst erkunden – bei einer Besichtung der Burg und des Kloster Oybins. Und wer weiß, welche Schätze noch heute hier versteckt und vergraben sind.

Genieße das mittelalterliche Flair der Burg, die romantischen Gemäuer und die herrliche Aussicht auf dem Oybin. Das Wetter ist fast egal. Im Regen und Nebel wirkt die Ruine mystisch, im Winter romantisch verträumt und bei schönem Wetter locken fantastische Aussichten auf den Berg.

Die Burg- und Klosterruine Oybin hat ganzjährig geöffnet. In den Monaten November bis März
von 10.00 Uhr – 16.00 Uhr und von April bis Oktober von 09.00 Uhr – 18.00 Uhr. Weitere Informationen findest du unter www.burgundkloster-oybin.com

Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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