Der Kulturweg der Vögte ist keine fest definierte Route, sondern vereint die wichtigsten und schönsten Kulturdenkmäler und Zeugnisse der vogtländischen Geschichte als länderübergreifendes Projekt.

Rund um die Wiege des Vogtlands, Weida, gibt es genügend zu entdecken. Folgt mir auf dem Weg durch das thüringische Vogtland entlang des Kulturwegs der Vögte.

Wir beginnen unsere Tour in Gera.

Sonnenuntergang über Gera, Blick von Schloss Osterstein
Sonnenuntergang über Gera, Blick von Schloss Osterstein

Die größte Stadt des Vogtlands mit seinen knapp 95.000 Einwohnern war im 19. Jahrhundert  Landeshauptstadt des Fürstentums Reuß jüngere Linie. Bereits seit 1562 war Gera in Besitz der Fürstenfamilie Reuß jüngere Linie, die von den Vögten aus Plauen abstammte. Bis dahin verwalteten die Vögte von Weida und deren Nachkommen – vornehmlich allesamt mit Vornamen Heinrich – die Vogtei Gera. Zahlreiche Erbteilungen führten zu Teilungen des Verwaltungsgebiets und führten zu vielen kleinen Besitztümern. Die Vögte von Gera, Schleiz und Lobenstein oder später die Herren zu Gera, Schleiz und Lobenstein hatten Gera und weitere Gebiete bis ins 16. Jahrhunderte im Besitz. Nachdem keine Erbfolger gezeugt wurden, erloschen die Linien und Gera ging in reußisches Gebiet über.

Alttar in der Kirche St. Marien, Gera
Alttar in der Kirche St. Marien, Gera

Mit den Reußen begann auch die Blütezeit Geras. Die Textilindustrie mit Lage an der Weißen Elster sorgte seit dem 15. Jahrhundert für eine zunehmenden Reichtum der Stadt und eine wirtschaftliche Blüte. Einzig verheerende Stadtbrände vermochten den wirtschaftlichen Aufstieg Geras einzudämmen.

Eine weitere Blütezeit erlebte Gera mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Mit Spinnmaschinen, Dampfmaschinen und mechanisierten Webstühlen erlebte die Textilproduktion einen großen Aufschwung. Zudem gründete Oscar Tietz ein Kaufhaus. Benannt nach seinem geldgebenden Onkel Hermann Tietz entstand in Gera ein Kaufhaus aus dem im Laufe der nächsten Jahre die Kaufhauskette Hertie entstand.

Auf dem Felsplateau von Schloss Osterstein Gera
Auf dem Felsplateau von Schloss Osterstein Gera

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs dankte der letzte reußische Fürst ab und Gera ging in Thüringen auf.

Von den ruhmreichen Zeiten der Stadt sind noch so manche Sehenswürdigkeiten erhalten geblieben und zu bestaunen.

Unterwegs in Geras Zentrum

Theater der Stadt Gera
Theater der Stadt Gera

So ist zum Beispiel das Rathaus im Renaissancestil – erbaut zwischen 1573 und 1575  – Zeugnis der reußischen Herrschaft. Das Geraer Stadttheater ging 1908 als „Fürstliches Hoftheater“ in den Privatbesitz (also öffentlichen Besitz) des reußischen Fürsten über, nachdem es Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Zeugniss reußischer Herrschaft ist zudem das Reußische Regierungsgebäude am Johannisplatz, ein dreistöckiger Barockbau.

Schloss Osterstein in Gera

Schloss Osterstein Gera
Schloss Osterstein Gera

Das wohl eindrucksvollste Zeugnis der reußischen Herrschaft ist leider nicht mehr vollständig existent. Das Schloss Osterstein wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und seine Ruinen zu DDR-Zeiten abgetragen. Einzig der aus dem 13 Jahrhundert stammende Bergfried ist restauriert und damit erhalten geblieben. Er überlebte als mittelalterliche Burganlage auch den Umbau der Burg zu einem herrschaftlichen Renaissanceschloss Mitte des 16. Jahrhunderts. Auf dem Hainberg residierten im Laufe der Zeit sowohl die Vögte von Weida, die Herren zu Reuß-Gera, sowie Reuß jüngere Linie.

Schloss Osterstein Gera
Schloss Osterstein Gera

Vom Plateau des Hainberg aus kannst du einen fantastischen Rundumblick auf Gera genießen und einen Überblick über die Stadt bekommen. Im Sommer ist bei schönem Wetter am Wochenende ein Restaurant mit Biergarten geöffnet und erfreut sich als beliebtes Ausflugsziel Geras.

Von hier oben blickst du auch auf den Küchengarten hinab. Der barocke Lustgarten zwischen Theater und Orangerie wurde 1729 nach französischem Vorbild umgestaltet und diente als Nutzgarten für die Fürsten oben im Schloss.

Untermhaus ist unterm Schloss

Abendstimmung in Gera Untermhaus
Abendstimmung in Gera Untermhaus

Eine der wohl schönsten Ecken Geras ist „Untermhaus“. Im Geraer Stadtviertel zu Fuße des Hainbergs liegt die 1440 erbaute Marienkirche am Ufer der Elster. Im Ensemble mit Fachwerkbauten und dem Fluß präsentiert sich die ehemalige Garnisonskirche reußischer Militärs von seiner schönsten Seite und lädt zum Verweilen im Straßencafé ein. Doch auch von innen ist die Kirche St. Marien mit ihrem jahrhundertealten Altar ein kleines Prunkstück Geras.

Marienkirche Gera
Marienkirche Gera

Die Parks und Gärten an der Weißen Elster laden zudem zu einem kleinen weiteren Spaziergang ein. Das (Teil-)Gelände der Bundesgartenschau 2007 wartet mit vielen botanischen Besonderheiten auf und sorgt für eine kleine Auszeit im Grünen mitten in der Stadt.

Im Hotel Zwergenschlösschen

Hotel Zwergenschlösschen, Gera
Hotel Zwergenschlösschen, Gera

Eine Einkehr und Übernachtung empfehle ich im Hotel Zwergenschlösschen. Das familiengeführte Hotel weiß mit purer Gastfreundschaft und Gemütlichkeit zu überzeugen. Familie Lips betreibt das Hotel mittlerweile in dritter Generation. Das traditionsreiche Haus im Stadtteil Untermhaus wurde schon 1870 eröffnet und hat seinen Namen nicht nur wegen seiner niedrigen Wände sondern hauptsächlich wegen einer Sage.

Abendessen im Hotel Zwergenschlösschen, Gera
Abendessen im Hotel Zwergenschlösschen, Gera

Die moderne regionale und saisonale Küche weiß zu überzeugen und als Übernachtungsgast kannst du in einem der Geraer Sehenswürdigkeiten übernachten – die Zimmer sind nach Schloss Osterstein, Küchengarten und weiteren Sehenswürdigkeiten bzw. regionalen Persönlichkeiten benannt.

 

Zimmer im Hotel Zwergenschlösschen, Gera
Zimmer im Hotel Zwergenschlösschen, Gera

Doch bevor du im Hotel Zwergenschlösschen entspannst und genießt, setzen wir unseren Ausflug erst einmal fort.

Weiter geht’s nach Weida,

Vielen Dank an den Tourismusverband Vogtland e. V.. Im Rahmen einer Bloggerreise durfte ich auf dem Kulturweg des Vögte wandeln und das Vogtland erkunden.

Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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