Zu einem beliebten Ausflugsziel am Stadtrand von Plauen hat sich in den letzten Jahren die Falknerei Herrmann im Stadtteil Reißig entwickelt. Da die Show nur einen Katzensprung von meinem Kinderzimmer entfernt stattfindet, war es nun endlich an der Zeit nach all den begeisterten Meinungen auch persönlich mal vorbei zu sehen.

Die Falknerei Herrmann

Seit mittlerweile über sieben Jahren verwirklicht Hans-Peter Herrmann seinen Kindheitstraum einer eigenen Falknerei mit voller Leidenschaft. Der studierte Forstwirtschaftler Herrmann fing in Reißig mit nur 5 Vögeln und kleinen Volieren an und konnte sein Gelände mittlerweile (nach langem Hin- und Her mit der Stadt) ansehnlich vergrößern und ausbauen. Mittlerweile beschäftigt der gebürtige Morgenröte-Rautenkranzer 3 Angestellte und besitzt weit über 50 Greif- und Raubvögel. Seine täglichen Shows um 15 Uhr (mit Ausnahme des Montags) sind insbesondere bei gutem Wetter ein wahrer Publikumsmagnet. Das liegt zum einen an den hochinteressanten Tieren, zum anderen aber auch an Herrmann selbst. Mit seiner informativen und humorvollen Flugshow sorgt er tagtäglich für kurzweilige Unterhaltung mit seinen zahlreichen Supertalenten.

Hans-Peter Herrmann in seiner Show
Hans-Peter Herrmann in seiner Show

Herrmanns Greifvögel – Wahre Supertalente in 60 Minuten.

Flug eines Falken
Flug eines Falken

Für Herrmanns tägliche Folgen seiner Talentshow braucht es keine großen Showeffekte, keinen Dieter Bohlen und Bruce Darnell und auch kein Zuschauervoting. Im Mittelpunkt stehen Greifvögel und Eulen aus aller Herren Länder und ihre speziellen Fähigkeiten.

Da sind zum einen die schnellsten Tiere der Welt: Wanderfalken, die mit bis zu 380 Stundenkilometern ihre Beute im Steilflug jagen können. Oder Sibirische Uhus, die auf bis zu 200m Entfernung ihre Beute hören können, ist sie auch noch so klein. Auch die majestätischen Seeadler und Weißkopfseeadler mit ihren Adleraugen, die auf 2km Entfernung eine Maus sehen können, dürfen in der Freiflugpräsentation nicht fehlen. Der Geier Gabi mit seinen über 3m Flügelspannweite und seinem ausgeprägten Geruchssinn ist in der Show auch unverzichtbar.

Die heimlichen Stars sind die ganz „Kleinen“ von Down Under. Die australischen Kookaburras mit ihrem auffälligen Lachen sind besonders bei den Kindern im Publikum äußerst beliebt und lassen sich wie selbstverständlich auf die Köpfe und Arme der Zuschauer nieder.

Olga, Sibirischer Uhu
Olga, Sibirischer Uhu

Während der einstündigen Show stellt Hans-Peter Herrmann jedes Talent ausführlich vor. Besonders beeindruckend sind die lautlosen Flüge von Olga, dem Sibirischen Uhu, sowie die Höhenflüge der jungen Weißkopfseeadler. GPS-gemessene 5500m über Normalnull haben die beiden Adler zwar bei der heutigen Show nicht erreicht, sind aber keine Seltenheit, wenn denn die Thermik stimmt.

Wer jedoch von Herrmanns Greifvögeln das wahre Supertalent ist, darf jeder Besucher für sich selbst festlegen. Für mich stehen die Adler ganz weit oben.

Weltkulturerbe im Vogtland – Die Falknerei

Flugshow in der Falknerei Herrmann
Flugshow in der Falknerei Herrmann

Was mich erstaunte: Die Falknerei als jahrtausendealte Jagdtradition und Tierhaltung ist seit 2014 immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO. Man könnte also sagen, Herrmanns Falknerei ist eine von wenigen Weltkulturerbestätten in Sachsen.

Seinen Kritikern zum Trotz, die Falknereien generell als Tierquälerei betrachten, hat sich die Falknerei im Vogtland bei Einheimischen und Weitgereisten als lohnendes Ausflugsziel etabliert. Wer die imposanten Vögel mit ihren Flugkünsten vor Ort sieht, merkt, mit welcher Hingabe und Leidenschaft der gelernte Forstwirt seine Tiere pflegt. Reichlich Verpflegung, viel Flugzeit, umfangreiche Schulungen der Instinkte sowie eine ständige Überwachung der Gehege und Haltungsbedingungen durch externe Stellen und eine umfangreiche Ausbildung sorgen für ein augenscheinlich gutes Wohlbefinden der Tiere.

Seeadler beim Sturzflug
Seeadler beim Sturzflug

Ihre Flüge können die Vögel auch zum „Ausbüchsen“ nutzen. Es ist keine Seltenheit, dass Herrmanns Greifvögel mal für vier Tage verschwinden, um dann zu einer anderen Nachmittagsshow wieder aufzutauchen.

Doch die Freiflugpräsentation ist in Herrmanns Falknerei nicht alles. Er peppelt auch gefundene Greifvögel auf und wildert aufgezogenen Greifvogelnachwuchs erfolgreich in Zusammenarbeit mit dem NABU aus und bildet damit eine wichtige Anlaufstelle für vernachlässigte Wildvögel.

Die Anreise zur Falknerei Herrmann

Die Falknerei befindet sich im Plauener Stadtteil Reißig und ist per Auto oder per Bus (Linie 19, Haltestelle Schmiede Reißig) zu erreichen. Die Parkmöglichkeiten am Wanderparkplatz vor der Falknerei und der Gaststätte „Waldhaus Reißig“ sind eingeschränkt.

Doch auch zu Fuß kann man zur Falknerei gelangen. Von der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 4 sind es knapp 30 Minuten zu Fuß, von der Talsperre Pöhl durchs Elstertal knapp 45 Minuten und aus Jößnitz gut 20 Minuten.

Eintrittspreise und Öffnungszeiten der Falknerei

Geöffnet ist die Falknerei täglich außer Montag ab 14:30 Uhr. Die Show beginnt um 15 Uhr. Im Anschluss an die Show hat man Zeit, Fotos von sich und den Greifvögeln zu machen. Ein kleiner neu eröffneter Imbiss sorgt vor und nach der Show für ein wenig Verpflegung.

Die Show kostet für Erwachsene 8.50€, für Kinder von 4 -14 Jahren 5,50€ und für Familien 22,50€. Spezielle Angebote für Schulklassen wie Walderlebnistouren oder Kooperationsangebote mit der Schiffsfahrtgesellschaft der Talsperre Pöhl finden sich auf der Webseite der Falknerei.

Die Falknerei Herrmann – Lohnendes Ausflugsziel für Familien

Besonders für Familien ist der Besuch der Falknerei ein mehr als lohnendes Ausflugsziel. Hans-Peter Herrmann und seinen Kollegen gelingt es in knapp einer Stunde Wissen zur Geschichte der Falknerei, zu den einzelnen Greifvögeln und seinen Tierschutzeinsätzen auf interessante und humorvolle Art und Weise zu vermitteln. Herrmann hat seine Berufung und sein Talent gefunden und lebt es mit voller Leidenschaft aus. Selten hat mich eine Show derart beigeistert, wie jene in meiner Heimat am Reißiger Stadtwald.

Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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