Was hier so unleserlich daherkommt ist ein Inbegriff der Gemütlichkeit und Geselligkeit. Der Hutzohmd.Im Prinzip ist es nichts anderes als ein gemütlicher Abend mit Freunden. Die Königsdisziplin im Hutznohmd begehen ist folgender:

Man trifft sich in einer sogenannten „Hutzenstub“, einem kleinen gemütlichen Wohnzimmer mit Kamin oder Kachelofen, isst selbszubereitete traditionelle erzgebirgische Speisen und erzählt sich lustige Geschichten und plaudert fröhlich. Natürlich darf reichlich Trank nicht fehlen. Etwa eine Feuerzangenbowle zum Beispiel. Wenn dann das Kaminfeuer knistert, die Wärme sich im Raum ausbreitet und die köstlichen Speisen auf dem Tisch stehen, ist der Hutzenohmd in seiner Reinform erreicht.

Begangen wurde der Hutznohmd seit Jahrhunderten übrigens von den Frauen der Bergleute, meißtens Klöpplerinnen. Damals traf man sich allerdings eher aus pragmatischen Gründen. Um teures Brennholz und Kerzenwachs nicht allein zu „verschwenden“ traf man sich in kleinen Gruppen bei Nachbars und klöppelte gemeinsam an verschiedenen Spitzenprodukten und tauschte sich während der Arbeit aus, sang gemeinsam Lieder und speiste zusammen.

Hutzn bedeutet in etwa soviel wie „raus gehen und Nachbarn besuchen“. Jeden Abend war eine andere Familie Gastgeber. Zu den klöppelnden Frauen gesellten sich später auch noch die Pfeife rauchenden und holzschnitzenden Ehemänner, die sich auf die Ofenbank setzen.

Getreu dem Motto „Platz ist in der engsten Stube“ verbrachte man zur dunklen Jahreszeit den ein oder anderen Abend bei gemeinsamer Handwerksarbeit und mit gegenseitigen Geschichten erzählen und reichlich Gesang.

In der heute hektischen Weihnachtszeit sollte man sich zumindest einen Abend für einen Hutznohmd mit Freunden freihalten. Wenn einer noch einen Kamin hat, steht dem gemütlichen, traditionellen Beisammensein nichts mehr im Wege. Also geht raus „hutzen“ zu euren Freunden.

Wer auf noch größere Authentizität steht, dem sei ein Hutznohmd in einem der zahlreichen Bergbaustädte des Erzgebirges nahegelegt. So veranstaltet zum Beispiel das Bergbaumuseum Oelsnitz alljährlich einen Hutznohmd mit Neunerlei.

 

Bildnachweis: Feuerzangenbowle © Thomas Schlosser, Bestimmte Rechte vorbehalten

Matthias
Als gebürtiger Vogtländer, der in Chemnitz zur Berufsschule ging, in Dresden studiert und lebt, ist mir Sachsen ans Herz gewachsen. Meine Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten des Freisaats möchte ich gerne mit anderen teilen. Mehr über mich und den Blog erfahrt ihr auf der Über mich-Seite

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